Nix bleibt. Alles ist begrenzt.

Klingt erstmal nicht besonders aufmunternd.
Ist aber so.
Menschen kommen und gehen.
Kinder werden groß. Eltern werden alt. Freundschaften verändern sich. Manche verschwinden ganz. Davon kann ich Lieder singen.
Dinge, die uns heute beschäftigen, als hinge unser ganzes Leben davon ab, sind ein paar Jahre später manchmal kaum noch eine Erinnerung.
Und trotzdem leben wir erstaunlich oft so, als hätten wir für alles unbegrenzt Zeit.
Später.
Irgendwann.
Wenn es ruhiger wird.
Nur wird es selten ruhiger.
Und irgendwann stellst du fest, dass nicht nur die anderen älter geworden sind.
Du bist es auch.
Das muss kein trauriger Gedanke sein.
Vielleicht ist Vergänglichkeit sogar eine der ehrlichsten Erinnerungen daran, was wirklich wichtig ist.
Denn wenn nichts bleibt, ist das, was gerade da ist, plötzlich verdammt viel wert.
Jeder Abschied ist ein kleiner Tod
Vielleicht beginnt Vergänglichkeit viel früher, als wir denken.
Nicht erst dann, wenn ein Mensch stirbt.
Eigentlich erleben wir ständig kleine Abschiede.
Ein Mensch geht aus unserem Leben. Eine Beziehung endet. Ein Freund wird irgendwann nur noch jemand, mit dem man früher einmal alles geteilt hat.
Die Kinder werden größer und brauchen uns anders als früher. Irgendwann schließt sich eine Kinderzimmertür zum letzten Mal – ohne dass irgendjemand in diesem Moment weiß, dass es das letzte Mal war.
Ein Arbeitsplatz, an dem man Jahre verbracht hat. Ein Zuhause. Eine Stadt. Menschen, mit denen man einen Teil seines Lebens geteilt hat.
Und manchmal verabschieden wir uns sogar von dem, der wir einmal waren.
Von Plänen, die sich nicht erfüllt haben. Von Vorstellungen darüber, wie unser Leben eigentlich hätte werden sollen.
Jeder Abschied ist deshalb vielleicht auch ein kleiner Tod.
Nicht, weil danach nichts mehr kommt.
Sondern weil etwas, das einmal zu unserem Leben gehört hat, in genau dieser Form nicht wiederkommen wird.
Und genau das fällt uns oft so schwer.
Wir wollen festhalten.
An Menschen. An Zeiten oder Gewohnheiten. Manchmal sogar an Dingen, von denen wir längst wissen, dass sie uns nicht mehr guttun.
Vielleicht weil Loslassen immer auch bedeutet, anzuerkennen:
Es war. Und jetzt ist es nicht mehr.
Das tut weh.
Aber vielleicht liegt genau darin auch etwas Wertvolles. Denn erst die Begrenzung macht vieles überhaupt kostbar.
Alles ist begrenzt
Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, ständig daran zu denken, dass alles irgendwann vorbei ist.
Das wäre ziemlich anstrengend.
Aber hin und wieder darf man sich daran erinnern.
Vielleicht rufen wir den Menschen an, bei dem wir seit Wochen denken: Müsste ich eigentlich mal wieder.
Vielleicht bleiben wir einen Moment länger sitzen, statt schon wieder beim nächsten Termin zu sein.
Vielleicht hören wir etwas genauer hin.
Und vielleicht verschwenden wir etwas weniger Zeit auf Dinge, Menschen und Ärger, von denen wir längst wissen, dass sie diese Zeit eigentlich nicht verdient haben.
Nicht aus Angst, dass morgen alles vorbei sein könnte.
Sondern weil heute eben auch nicht wiederkommt.
Wir können nicht alles festhalten.
Vielleicht sollten wir es auch gar nicht versuchen.
Nichts bleibt. Aber vielleicht muss auch nicht alles bleiben, um wichtig gewesen zu sein.


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