Über das Funktionieren.

Eigentlich läuft es doch.
Du gehst arbeiten. Du kümmerst dich um die Dinge, die erledigt werden müssen. Du bist Vater, Partner, Kollege, Freund. Rechnungen werden bezahlt, Termine eingehalten, und wenn irgendwo etwas schiefläuft, findest du meistens auch dafür eine Lösung.
Von außen betrachtet gibt es wenig zu meckern.
Vielleicht geht es dir nicht einmal schlecht. Und genau das macht die Sache so schwer zu greifen.
Es gibt keinen großen Knall. Keine Katastrophe. Keinen Montagmorgen, an dem plötzlich jemand mit einem Schild vor deiner Tür steht: „So. Ab heute stimmt etwas nicht mehr.“
Es ist leiser.
Irgendwann merkst du vielleicht, dass du verdammt gut darin geworden bist, dein Leben am Laufen zu halten.
Nur eine Frage wird dabei immer schwieriger: Kommst du selbst darin eigentlich noch vor?
Wenn Funktionieren zur Gewohnheit wird
Das passiert selten bewusst.
Niemand steht morgens auf und beschließt: Ab heute stelle ich mich selbst hinten an.
Es passiert eher nebenbei.
Der Job fordert mehr. Die Familie braucht dich. Irgendwas am Haus ist immer. Einer braucht eine Entscheidung, der Nächste eine Antwort und irgendeine Rechnung kommt grundsätzlich dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Also machst du, was du kannst.
Du kümmerst dich.
Und wahrscheinlich ist genau das sogar eine deiner Stärken. Verantwortung übernehmen. Nicht bei jedem Gegenwind umfallen. Dinge regeln, statt sie liegen zu lassen.
Daran ist überhaupt nichts falsch.
Schwierig wird es erst, wenn aus „Ich kümmere mich“ irgendwann „Ich funktioniere nur noch“ wird.
Denn daran gewöhnt man sich erstaunlich gut.
Man verschiebt Dinge, die einem selbst wichtig sind. Nicht für immer. Nur bis es wieder etwas ruhiger wird.
Das Problem ist:
Es wird erstaunlich selten von alleine ruhiger.
Du musst nicht unglücklich sein
Vielleicht liegt genau hier ein Missverständnis.
Wir glauben oft, dass erst etwas richtig schieflaufen muss, bevor wir genauer hinschauen.
Die Beziehung müsste schlecht sein. Der Job unerträglich. Der Druck kaum noch auszuhalten.
Aber was, wenn das alles gar nicht der Fall ist?
Vielleicht hast du einen guten Job. Eine Familie, die dir wichtig ist. Freunde. Ein Zuhause. Vielleicht gibt es sogar ziemlich viele Dinge in deinem Leben, für die du dankbar bist.
Und trotzdem taucht manchmal dieser Gedanke auf:
War’s das jetzt eigentlich?
Das klingt härter, als es gemeint ist.
Es bedeutet nicht, dass dein bisheriges Leben falsch war. Und schon gar nicht, dass du jetzt alles hinschmeißen musst.
Vielleicht bedeutet es nur, dass sich etwas verändert hat.
Du selbst zum Beispiel.
Was mit 30 richtig war, muss mit 40 oder 50 nicht automatisch noch genauso passen. Prioritäten verändern sich. Dinge, die früher wichtig waren, verlieren an Bedeutung. Andere werden plötzlich wichtiger.
Nur unser Alltag bekommt davon manchmal erstaunlich wenig mit.
Der läuft einfach weiter.
Es muss nicht gleich alles anders werden
Und was macht man mit so einem Gedanken?
Vielleicht erstmal gar nicht so viel.
Du musst nicht den Job kündigen. Nicht deine Beziehung infrage stellen. Nicht dein bisheriges Leben auf links drehen.
Und du musst auch nicht nach Bali fliegen, um dort festzustellen, dass du unter Palmen immer noch derselbe Depp bist.
Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen.
Was ist mir heute wirklich wichtig?
Was mache ich nur noch, weil ich es eben immer so gemacht habe?
Und was fehlt mir vielleicht schon länger, ohne dass ich es mir eingestehen wollte?
Darauf muss man nicht sofort eine Antwort haben.
Aber vielleicht sollte man sich die Fragen hin und wieder erlauben.
Denn ein Leben kann nach außen wunderbar funktionieren und sich trotzdem irgendwann nicht mehr ganz nach dem eigenen anfühlen.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, ob dein Leben funktioniert.
Sondern darum, ob es noch zu dir passt.
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